Artgerecht – Die Natur des Pferdes

Für mich bedeutet Pferdehaltung, den primären und sekundären Bedürfnissen eines Pferdes so weit es realisierbar ist, gerecht zu werden.

In der Haltung und Ausbildung von Pferden sollten die innere Motivation, die Bedürfnisse und das psychische Wohlbefinden berücksichtigt werden. Optimierung von Haltung und Training können wir Menschen auch dem domestizierten Pferd gerecht werden, denn seine Bedürfnisse sind nach wie vor dieselben, wie die eines Wildpferdes.

Nahrungsverhalten

Wildpferde verbringen ca. 16 Stunden am Tage mit dem Kopf auf dem Boden auf der Suche nach minimalenergiehaltigem Futter. In der Boxenhaltung verbringt das Pferd den Großteil des Tages damit den Kopf über die Boxentür zu stecken, um den genetisch überlebenswichtigen Überblick zu behalten. Die Haltung im Offenstall und auf Weiden ermöglicht den Pferden ihre natürliche Körperhaltung bei der Nahrungsaufnahme einzunehmen. Jedoch wenn unsere Pferde nun 16 Stunden pro Tag mit grasen auf unseren fetten Rinderweiden zubringen, birgt das für den Steppenbewohner leider auch viele Risiken, Hufrehe, Verfettung, Eiweiß-Energieungleichgewicht, Leberprobleme und vieles mehr. Gesund und artgerecht wären das Wandern weiter Wege zum Wasser und das Rupfen einzelner karger Halme in einer steppenartigen Landschaft.

Bewegung

Wildpferde verbringen 80% des Tages in Bewegung, sie gehen kilometerweit im Schritt auf der Suche nach Futter und Wasser. Das wandernde Ziehen der Herde ist also wesendlicher Bestandteil eines Pferdelebens. Der eigentliche Motor der Bewegung, der Beweggrund, ist die Futtersuche. Das bedeutet, das sich für die Pferde, deren gesamtes Futter an einer Stelle angeboten wird, nicht die Notwendigkeit ergibt sich 16 Stunden zu bewegen, egal wie groß das Raumangebot ist. Also müssen wir Anreize schaffen, eine Möglichkeit ist es die Funktionsbereiche (Wasser, Kraftfutter, Raufutter, Liegeplatz, Wälzplatz usw.) räumlich voneinander zu trennen. 

Ruhe und Erholung
Wildpferde ruhen mehrfach über den Tag verteilt, meist im Stehen, sie dösen und schließen sich teilweise von den Außenreizen ab, das tun sie allerdings nur, wenn sie sich sicher und ungestört fühlen, immer in direkter Nähe zu einem oder mehreren Artgenossen. Besonders das Hinlegen bedeutet für das Fluchttier ein Risiko, im Herdenverband unter ihres Gleichen fühlen sich Pferde sicher genug, um die Ruhe zu genießen.

Körperpflege

Dreckige Pferde sind glückliche Pferde, aber nicht nur das, auch werden durch regelmäßiges Schlammbaden und Sandwälzen Haut und Fell geschützt und in ihrer Struktur gestützt. Soziale Kontakte und gegenseitige Fellpflege erfüllen sowohl psychische als auch physische Bedürfnisse.

Sozialverhalten

Ganztägig stehen Pferde in einer Herde in Kommunikation zueinander, sie tauschen sich den ganzen Tag mit kleinen Gesten untereinander aus, sie treiben und ziehen sich gegenseitig, sie Kratzen und beißen sich liebvoll, klären Rangordnungen immer und immer wieder durch Gesten und zeigen auch mit Drohungen immer wieder ihre Waffen und das Verhaltensrepertoire, welches möglich wäre. Auch gehören ein Stück weit Aggression und Konfliktlöseverhalten zum sozialen Repertoire dazu, aber absichtlich verwunden sich Pferde nicht, denn in der Natur ist ein Pferd auf den Herdenverband angewiesen und wird diesen zum eigenen Überleben auch erhalten. Rangordnungskonflikte und situative Aggression, besonders, wenn es um die Ressource Futter geht oder in Zeiten von Integration neuer Herdenmitglieder gehören zum artgerechten Tieralltag dazu.

Integration
Neue Herdenmitglieder werden bei uns ganz langsam in die Herde integriert. Zu nächst steht der Neuling auf einer separaten angrenzenden Weide über mehrere Tage hinweg, dann wird immer ein Pferd zum beschnuppern dazugestellt, bis alle Herdenmitglieder mit dem Neuling bekannt sind. Nach ca. 1- 2 Wochen wird der Neuankömmling dann zu der Herde auf die Weide gelassen. Dadurch dass wir uns sehr viel Zeit bei Integration lassen, verläuft sie meist recht stressfrei für alle beteiligten.

Ausgeglichenheit

Pferde brauchen eine Umgebung, die ihre Sinne arbeiten lässt und wach hält, um ausgeglichen zu sein. Nur Pferde, die ihren „Feind“ kennen, können ihre Ängste überwinden. Es ist ein Irrtum zu glauben, ein ruhiger Stall mit Kinderlärm- und Sprechverbot würde gelassene Pferde beherbergen. Im Gegenteil.

Auf Gut Burwinkel haben wir eine in allen genannten Aspekten pferdegerechte Umgebung zur Haltung angelegt. Unser Ziel ist es gesunde und zufriedene Pferde zu erhalten, nicht zuletzt damit sie uns Menschen glücklich machen.